Julius Robert Fischer

files/Heinrich-zur-Treue/images/persons/fischer.jpgJulius Robert Fischer hat als Freimaurer weit über die Grenzen der Geraer Region hinaus Bedeutung erlangt. 

Nach dein Abschluß seines Studiums in Leipzig trat er in den Dienst des Geraer Stadtrates und wurde 1859 Ratskämmerer. Daneben lehrte er von 1856 bis 1869 an der Amthorschen höheren Handelsschule Stenografie, Handelsrecht und Nationalökonomie. Fischer war ein führender Vertreter der Gabelsberger Stenografie und erlangte hier internationale Anerkennung. 

1877 wurde er zum Oberbürgermeister von Gera gewählt. Wesentlich für die Entwicklung der Stadt Gera war sein Wirken innerhalb der städtischen Verwaltung. Die Geschäftsordnung für den Stadtrat, Baupolizei- und Straßenordnung, Reorganisation der Feuerwehr und die Schaffung eines Gesundheitsamtes sind auf seine Initiative zurückzuführen. 

Seinem Wahlspruch "Was du bist, sei es ganz" blieb der im Jahre 1857 in die Loge "Archimedes zum ewigen Bunde" aufgenommene Fischer auch als Freimaurer treu. Von 1863 an wälilte ihn seine Bruderschaft Jahr für Jahr zum "Meister vom Stuhl" - mit einer Unterbrechung von 1879 bis 1886, in welcher sein Bruder, der Hofmaler Theodor Fischer, den Hammer führte. 

Das Wirken von Bruder Julius Robert Fischer in der internationalen Bruderschaft der Freimaurer ist beispielhaft. Er verfaßte über 500 freimaureri-sche Schriften, seine Katechismen erlebten bis in die zwanziger Jahre hinein über 55 Auflagen. In drei Großlogen, über 60 deutschen und internationalen Logen Europas war er Ehrenmitglied. 

In seiner Lebensauffassung als Freimaurer war es für ihn folgerichtig und selbstverständlich, sich für die Belange der Menschen seiner Stadt zu engagieren. Viele gemeinnützige und karitative Einrichtungen legen von seinem Wirken Zeugnis ab. Sein Hauptaugenmerk galt, gemeinsam mit anderen Freimaurern, der Schaffung der ersten Geraer Volksbibliothek im Jahre 1874. Diese Bibliothek konnte "von Jedermann und kostenlos" genutzt werden. Öffentliche Vorträge - meist im großen Saal der Loge "Archimedes zum ewigen Bunde" in der Schützenstraße 3 gehalten - behandelten kompetent und allgemeinverständlich verschiedene Themen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung dieser Zeit. Die aus dieser Tätigkeit erzielten Einnahmen kamen der Volksbibliothek zugute und trugen zur Mehrung der Bestände wesentlich bei. Die Gründung der "Herberge zur Heimat" - eine Unterkunft für Wanderburschen - und viele andere Einrichtungen legen Zeugnis ab vom vielfältigen Wirken unseres Bruders Julius Robert Fischer.