Zur Geschichte der Johannisloge »Heinrich zur Treue« Gera

Herausgeber und Autor: Michael Schlutter

Layout: WerbeGrafik Annette Otto

Druck: Druckerei Stade

Michael Schlutter

Zur Geschichte der Johannisloge »Heinrich zur Treue«
Von der Gründung bis zur Gegenwart

In diesem 73 seitigen Heft erzählt der Alt-Logenmeister der Johannisloge "Heinrich zur Treue" in Gera die Geschichte seiner Loge von der Gründung bis zum 135-jährigen bestehen im Jahre 2009.

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Inhalt:

1. Zum Geleit
2. Johannisloge »Heinrich zur Treue«
2.1. Vom schweren Anfang bis zur Gründung der Loge
2.2. 1874 bis 1899 – Die ersten Jahre
2.3. 1900 bis 1925 – Wachstum mit Schmerzen
2.4. 1925 bis 1935 – Vom Aufbau und Untergang
2.5. 1945 bis 1948 – Versuche des Neuanfangs
2.6. 1990 bis 1997 – Vom Verein zur Loge
2.7. 1997 – Lichteinbringung
2.8. 1998 bis 2007 – die Zukunft ist heute
2.9. 2008 – Grüße aus unserem kleinen Tempel
3. Ausblick auf 2009 - das 135. Jahr des Bestehens unserer Loge - Schlussbemerkung
4. Logenmeister der Johannisloge »Heinrich zur Treue« von 1874 bis 2008
5. Verzeichnis der Fußnoten

 

Leseprobe:

2.1. Vom schweren Anfang bis zur Gründung der Loge


Der Deutsch Französische Krieg der Jahre 1870 / 72 hatte seine Spuren
hinterlassen - auch in Gera - . Ein Gefühl, welches uns heute (wieder)
weitgehend fremd ist, verbreitete sich unter den Siegern der Schlachten:
Nationalstolz und Aufbruchstimmung. Anlässlich des 25- jährigen Bestehens
der Loge hatte der damalige Logenmeister, Br. Linz, einen Bericht über
eben diese ersten 25 Jahre gegeben, welchem hier im Wesentlichen gefolgt
wird .
Die Stiftung unserer Loge fällt in jene hochbedeutsame Zeit, da
Jungdeutschland - nach dem Ausspruch seines ersten Kanzlers, unseres
hochverehrten Fürsten Bismarck – in den Sattel gehoben, bewies, dass es
reiten konnte. Überall in den deutschen Gauen spürte man schon merklich
den segensreichen Einfluss der immer stärker werdenden Machtstellung
des Reiches in Bezug auf das Emporblühen von Kunst und Wissenschaft
und die Entfaltung von Handel, Industrie und Gewerbe. Mit dem deutschen
Nationalbewusstsein erstarkte immer mehr und mehr das Selbstbewusstsein
des Einzelnen. Und neben dem natürlichen Drang zum Erwerb materieller
Güter, ging Hand in Hand auch der Wunsch zur Veredlung der Gesinnung
und des Geistes, das Bedürfnis auch dem geistigen Menschen seinen Teil
werden zu lassen.
Der Logengründung vorausgegangen war die Gründung eines
freimaurerischen Klubs, welchem die Brüder von Seckendorff, von
Niebecker, Grothe, Lindner, Wille, Gehring, Bankwitz, Klein, Ißleib
als Meister und die Brüder Hercher, Wernecke, Buschwald, Barthels,
von Gerhardt, Weinhold als Gesellen und Lehrlinge angehörten.
Die Leitung des Klubs oblag dem Br. v. Seckendorff und man tagte
regelmäßig im Haus Gera, Große Kirchgasse 1. Die Brüder Buschwald
und Barthels schieden aber bald wieder aus, so dass sie bei der weiteren
die Klubabende mit freimaurerischen Themen, es wurden Instruktionen
durchgeführt und eigene Arbeiten der Brüder vorgetragen. Der Chronist
schreibt aber, dass das Interesse an den Klubabenden doch bald abnahm,
da man aufgrund des fehlenden Tempels nicht rituell arbeiten konnte.
Bereits im Frühjahr des Jahres 1874 wurde die Gründung einer Loge unter
dem Namen »Heinrich zur Treue« bei der Großen Landesloge der
Freimaurer von Deutschland beantragt und man war sich doch recht sicher,
dass man die Gründung am Heinrichstag im Juli des Jahres 1874 vollziehen
konnte. In den Beständen des Geheimen Staatsarchiv Preußischer
Kulturbesitz sind die handgeschriebenen Statuten der Loge, vom 12. Juli
1874, unterzeichnet vom gewählten Logenmeister Br. von Seckendorff
erhalten. Eine Abbildung und eine Übersetzung dieser (Ur)Statuten folgt
auf den nächsten Seiten .
Die Aktivitäten zur Gründung einer weiteren, der zweiten Freimaurerloge,
in Gera wurde in den etablierten freimaurerischen Kreisen Geras durchaus
mit einer gewissen Skepsis, bis hin zu offensichtlicher Abneigung begleitet.
Die 1804 in Gera gegründete und weithin angesehene Freimaurerloge
»Archimedes zum ewigen Bunde« war praktisch »Herr am Platz« und sah
im Entstehen einer weiteren Loge nicht unbedingt eine positive Entwicklung.
Die Johannisloge »Archimedes zum ewigen Bunde » arbeitete von 1806
bis 1810 unter der Konstitution der Londoner Großloge und danach, also
auch zur Zeit der Gründung der Loge »Heinrich zur Treue« als eine
weitgehend unabhängige Loge. Der letzte Logenmeister der Archimedesloge
und Geraer Stadtarchivar Br. Ernst Paul Kretschmer schreibt dazu:
»…das geschah im Jahr 1806. Unterm 30. April 1806 erklärte der
Provinzialgroßmeister Dr. jur. Beckmann, dass er auf Antrag des Br.
Schröder – das ist der berühmte Schauspieler in Hamburg- er war damals
deputierter Provinzialgroßmeister – gesonnen sei, die Geraer Loge im
Namen der großen Loge zu London zu konstituieren. Eine direkte
Konstitution von der großen Loge war damals nicht zu erlangen, weil diese
keinen Repräsentanten in Deutschland hatte. Eingetragen in die englische
Matrikel wurde die Geraer Loge unter der Nummer 669 erst 1815, und stehend.

Gestrichen wurde die Geraer Loge - sie war seit 1810 bereits
unabhängig geworden – erst 1832.«
Für den sicherlich eher christlich/konservativ gesinnten Kreis um die
Gründer der Loge »Heinrich zur Treue« war es sicherlich schwer vorstellbar,
sich einer Loge mit dem Hintergrund der Archimedes - Loge anzuschließen.
Da bot die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland, als eine
der drei Preußischen Altlogen mit ihrer christlich-konservativen Ausrichtung
schon eher das gewünschte Umfeld. Und so waren die wenig positiven
Reaktionen aus Gera, wenn auch nicht brüderlich, dann doch verständlich.
Ich zitiere :
»Die Geraer Zeitung vom 23. Dezember 1874 schreibt über die vollzogene
Gründung, gewissermaßen befriedigt, folgendes:
Am Sonnabend, dem 19. Dezember, wurde durch Abgeordnete der
großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Berlin hier
eine neue Freimaurerloge genannt »Heinrich zur Treue« eröffnet
und bestätigt. Zu dieser Feierlichkeit waren verschiedene Deputationen
auswärtiger Logen erschienen. Es ist wohl von Wichtigkeit, dass bei
Zunahme unserer Stadt auch hier eine Loge besteht, welche unter
dem Schutz der Großen Landesloge tätig ist.